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Identitätsprobleme der
zweiten Generation
Mit einer
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Anm. d. Red.: Eine
Zwischenbilanz dieser Umfrage findet Ihr HIER.
"Wer bin ich, woher komme ich ?" Die Urfragen des Menschen an sich kehren zurück. Seitdem der Mensch denken kann und sein Intellekt und Verstand ihm rationales, kritisches Fragen und Hinterfragen ermöglicht, stellte er sich die Frage nach seinem Ursprung und seiner Existenz. Das Spiegelbild, das ihn von der Wasseroberfläche des Sees anstarrte bedurfte eines Namens, einer Definition, kurz gesagt: einer Identität. durch sie definiert sich der Mensch bezüglich seiner Umwelt: Mitmenschen, Tiere, Pflanzen, die Erde, das Weltall, Gott. Ohne diese Positionierung und Einbindung in ein größeres Ganzes ist es ihm unmöglich nach dem Warum zu fragen. Sinn und Zweck seines Daseins findet er erst, sobald er sich seiner selbst sicher ist, weiß, wer er ist und was ihn ausmacht. Die Welt sei ein Fußballspiel: solange ich nicht weiß, welche Position ich spiele - Stürmer, Mittelfeld, Libero - solange ich mich zum einen nicht in der Mannschaft und zum anderen nicht im gesamten Spiel einzuordnen weiß, wird mein Mitspielen nichts weiter als ein unkordiniertes hin und her Rennen ohne erkennbaren Plan und Strategie bleiben.
"Wer bin ich, woher komme ich?" Eine Frage, die alle Menschen beschäftigt - oder zumindest beschäftigen sollte. Doch besonders für Kinder ausländischer Eltern, die hier in Deutschland aufgewachsen sind, für Kinder aus Mischehen oder für Adoptivkinder ist diese Fragestellung äußerst schwierig zu beantworten, da eine eindeutige Zuordnung zu einem der zwei Kulturkreise nicht möglich ist.
Südasiatisch-deutschen Kindern ist dieser Zwiespalt sehr groß, da sich besonders die südasiatische und westeuropäische Lebensart und Lebenseinstellung von Grund auf unterscheiden. Die Unterschiede im einzelnen darzulegen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, jedoch wird die Kenntnis dessen beim Leser für das Verstehen der Materie vorausgesetzt. Durch die enormen Unterschiede und die sich dadurch ergebenden Gegensätze sehen sich die "Inder" der zweiten Generation diversen grundsätzlichen Problemsstellungen gegenübergestellt. Um sich selbst zu definieren, die eigene Identität zu finden, bedarf es intensiver Auseinandersetzung mit beiden Kulturen und einer Untersuchung der persönlichen Eigenschaften auf Charakteristika des jeweiligen Kulturkreises. Nach erfolgreicher Selbstanalyse gibt es demnach drei Möglichkeiten:
1.) eher indisch.
2.) eher deutsch.
3.) keine eindeutige Tendenz zu erkennen bzw. keine Entscheidung möglich
1.) und 2.) sind relativ unproblematisch, da sie eine mehr oder minder eindeutige
Selbstdefinition unterstützen, wobei 3.) das Problem eher vergrößert als löst. Ein Beispiel: Was sagt eine Person, die sich unter 3.) einstuft im auf die Frage "Sind sie
Deutsche(r) ?" oder wie antwortet sie im Urlaub auf "Where do you actually come from ?"
In den Herkunftsländern zumindest wird man immer - egal wie integriert oder anerkannt man auch ist - als "Inder in Deutschland" oder "Deutscher in Indien" angesehen. Spätestens wenn es zu Konfliktsituationen kommt, wird das Argument der kultureller Andersartigkeit als defensives bzw. offensives Mittel benutzt. Dem ist an sich - also grundsätzlich - nichts
schlechtes abzugewinnen, da oft genug gerade diese Differenz zu den "echten" bzw. einheimischen Menschen der Herkunftsländer die Konflikte auslösen oder zumindest erweitern. Der Identitätsfindung ist diese Unterscheidung jedoch nicht sehr dienlich.
Die Themen bzw. Situationen mit dem größten Konfliktpotenzial sind meines Erachtens nach jene, in denen es um individuellen Handlungsfreiheit, freies Entfalten des persönlichen Charakters und somit um den Individualismus an sich geht. Die frühere, ja selbst die heutige indische Gesellschaft setzt die Gemeinschaft und das Wohl der Gesamtheit normativ weitaus höher an als sogenannte westliche Gesellschaften. Der Einzelne opfert sich (bzw. sollte es zumindest tun) und große Teile seiner individuellen Bedürfnisse für die Familie, den Beruf, und/oder für eine höhere Macht (z. B. Gott) auf dass es der größeren Gemeinschaft besser gehe und sie durch seinen Beitrag fortbesteht. Somit ist das Überleben der Gemeinschaft (im Kleinen) bzw. der Gesellschaft (im großen) gesichert. Ein uraltes System, dass auf Tradition Religion und Verantwortungsbewusstsein basierend seine eigene Existenz und Evolution durch sich selbst garantiert. Im Westen hingegen ist das Individuum das höchste Gut, persönliche Freiheit und die Möglichkeit alles - in gewissen gesetzlichen Rahmenbedingungen - tun zu können und zu dürfen ist das viel beschworene Credo. Aus Rücksicht auf andere die eigenen Bedürfnisse zurückschrauben oder Zugeständnisse zu machen wird oft als "Unterdrückung der Persönlichkeit" empfunden und interpretiert und demnach auch entsprechend gegeißelt. Beide Lebensmottos haben Vor- und Nachteile. Die Unterdrückung der individuellen Entfaltungsmöglichkeiten (z. B. Berufs- oder Partnerwahl) in Indien oder den zunehmenden Verfall von allgemein gültigen Normen und Werten in der westlichen Gesellschaft sind nur einige Beispiele für die wohl bekannten Schattenseiten der Systeme.
In diesen Zwiespalt lebt nun die zweite Generation der "Desis" in Deutschland. Aufgezogen von Eltern, die zwar u. U. seit Jahrzehnten in dieser westlichen Welt leben, aber trotzdem noch die Lebenseinstellung und Wertegefühl der indischen Gesellschaft vertreten und an ihre Kinder weitergeben möchten, und aufgewachsen in einer sich ständig stärker individualisierenden "Gesellschaft des Einzelnen" im Westen. Ich denke, wir werden uns damit abfinden müssen, diesen Konflikt niemals wirklich auflösen zu können. Es liegt an jedem einzelnen, sich selbst in oder zwischen den Kulturen und Ländern einzuordnen und diese Einordnung und Positionierung auch konsequent und überzeugt beizubehalten. Position beziehen und auch in schwierigen Situationen zu seiner selbst gewählten Identität stehen, sollte das Ziel eines jeden sein. Sich die Rosinen von Situation zu Situation rauszupicken ist zwar auch eine Einstellung, aber ein Indiz für eine gefestigte Identität bzw. in sich ruhenden Charakter ist das mit Sicherheit nicht. Wohl denn... dann mal auf die Suche!
Unsere Umfrage lässt einige
Tendenzen vermuten, die MMM ebenfalls versucht zu analysieren. Warum ist es
für einen in Deutschland geborenen Inder so schwierig, sich nicht 100%ig
einer Identität zuzuordnen?
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