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Individualismus auf dem Vormarsch
"Religion ist Auslegungssache." "Ich sehe das anders." "Das mit dem xyz-Verbot sehe ich nicht so eng." "Diese Regel ist veraltet."
All diese Zitate sind Zeichen des zunehmenden Verlangens nach individueller Wahrheit, und das nicht nur in Deutschland. Überall auf dem Globus fallen allgemein gültige Werte, Normen, Ge- und Verbote sowie ethische und moralische Handlungsregeln, deren universeller (oder zumindest auf die Anhänger bezogener) Anspruch verloren geht. Doch es ist nicht der Anspruch an sich, der bröckelt, es sind diejenigen, die diesen Anspruch anerkennen, und daraufhin die daraus notwendig gewordenen Konsequenzen für ihr Leben ziehen.
Individualismus ist das Zauberwort, das mit zunehmendem Einfluss fast alle Teile der Welt erreicht und Allgemeines, Traditionelles und Gemeinsames mit einer Heftig- und Schnelligkeit zu Fall bringt, wie es noch keine andere Bewegung geschafft hat. Ehen werden geschieden, Freundschaften gebrochen, Familien zerrüttet. Autoritäten abgeschafft, Regeln, gleich welcher Art auch immer, gebrochen. Wertende Adjektive wie "gut", "böse", "richtig" und "falsch" verlieren ihre allgemeine Gültigkeit und werden nicht mehr auf die ethischen Normen und Gesetze angewandt, sondern auf das Individuum. Somit bestimmt jedes Individuum , jeder von uns, für sich selbst, was gut oder schlecht ist. Das Ego wird zum Gott. Das Ich zur richtenden Instanz über Gut und Böse.
Regeln, dienten bis heute zur Gewährleistung eines geordneten Zusammenlebens. Zusammen-Leben - etwas, das mit dem Höhenflug des Individualismus ebenfalls stark abgenommen hat. Wen wundert's, wenn doch das Gegenteil des Individuums die Gemeinschaft ist. Somit wird die Gemeinschaft dem Individuum geopfert. Wer ist heutzutage schon bereit für seine Familie oder Freunde wirklich persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen ? Wie oft sieht und hört man (auch in den Medien) negative Reaktionen, falls dies dann doch geschieht ? Eigene Bedürnisse gehen nun einmal vor kolletiven Bedürfnissen in dieser Individualgesellschaft.
Meiner Meinung nach ist dies ein sehr gefährlicher Weg, da sich bei einem sich ausbreitendem Individualismus auch dessen Nebenwirkungen stark zu Wort melden. Depressionen, Einsamkeit, ständig wechelsnde (also kurzlebige) Beziehungen bis hin zur Beziehungsunfähigkeit. Schließlich endet diese Kette im Verschwinden eines einheitlichen Konsens über ethische Normen und Werte, so dass letztendlich jegliches Handeln mit dem Satz "Für mich persönlich war es richtig bzw. gut" verteidigt werden kann.
Glücklicherweise wird diesem Idividualismus auf dem indischen Subkontinent eine starke Front geboten und sogenannte "indische Werte" wie Familienzusammenhalt, konsequentes Praxis der Religion, Beachtung der damit verbundenen moralischen Normen und Werte und persönlicher Einsatz für die Gemeinschaft sehr heftig verteidigt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Front nicht zusammenfällt und dass auch die hier in Deutschland lebenden Desis etwas von dieser Einstellung mitbekommen haben.
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