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Viele Inder suchen im Internet Heiratswillige
So geht der Partner fürs Leben ins Netz

Heiraten bekommt in Indien eine neue, weltweite Dimension: Im Land der arrangierten Hochzeiten präsentieren sich junge Frauen und Männer auf Internet-Seiten, um unter die Haube zu kommen. Eltern, Ehestifter und Heiratswillige klicken sich auf der Suche nach dem passenden Partner für ihre Kinder, Kunden oder sich selbst immer häufiger durch das World Wide Web.

Auf der Internet-Site cyberproposal.com hat Deepak Singhania seine zukünftige Frau gefunden. "Ich arbeite in Uganda, und für mich war es sehr schwierig, eine passende Partnerin zu finden", erzählt der Inder. Er schickte sein Profil mit allen notwendigen Angaben an den Webseiten-Betreiber und dann ging alles sehr schnell. "Das nächste, woran ich mich erinnere ist, dass ich nach Indien geflogen bin und Gunjan und ihre Eltern traf."

Gunjan Rathi lebt in Gwalior, tief im Herzen Indiens. Singhania hätte sie ohne das Internet wohl nie getroffen. Mit Bild und den wichtigsten persönlichen Angaben wie Alter, Größe, Religion und Kaste bewerben sich die heiratswilligen Inder bei cyberproposal.com.

"Die Leute haben bemerkt, dass das Internet nur ein anderer Weg zu einer Heirat ist", sagt Sandesh Sharda, der in den USA lebende Betreiber der Internetseite. 300 neue Heiratswillige meldeten sich täglich bei ihm, sagt er.

Seinen Angaben zufolge hat er pro Monat 600.000 Besuche in seinem virtuellen Eheanbahnungsinstitut. 60 Prozent der Interessenten klickten sich aus den USA, Großbritannien und Kanada auf die Seite, 35 Prozent kommen direkt aus Indien.

Die Nutzer der Heiratsvermittlung per Cyberspace seien eher mobil und flexibel, sagt Drummond Miles, ein Brite, der sich seit 1996 als Internet-Heiratsvermittler für Inder betätigt. Ob Arzt, Geschäftsmann oder Software-Ingenieur, Architekt oder Anwalt - sie alle nähmen gern die Dienste der Heirats-Vermittler in Anspruch.

Arrangierte Hochzeiten haben in Indien nach wie vor Konjunktur. Eine kürzlich veröffentliche Umfrage des indischen Familienplanungsverbandes zeigte, dass 60 Prozent der städtischen Bevölkerung zwischen 15 und 29 Jahren eine arrangierte Hochzeit einer "Liebesverbindung" vorzögen.

Miles hält die Suche nach einem Partner im Internet für vergleichbar mit einer Zeitungsannonce. "Der Prozess ist nicht wesentlich anders und kann von beiden Seiten genauso kontrolliert werden." Als Konkurrenz zu den traditionellen Eheanbahnern sieht er die Internet-Angebote nicht. Viele Ehestifter in Indien hätten inzwischen ihre eigene Homepage als Ergänzung zum normalen Geschäft angelegt.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Anzeigen bietet die Annonce im Netz neben der weltweiten Suche einen großen Vorteil: Fragen, die Interessenten am Telefon oder persönlich nie stellen würden, können per E-Mail verschickt werden.

Doch eine Gefahr droht bei der Eheanbahnung per Internet: Die Möglichkeiten zum Betrug seien natürlich wesentlich höher als per Zeitungsanzeige, geben die Ehestifter im Netz zu. Die Hemmschwelle für Heiratsschwindler sei wesentlich geringer, zumal sie weder Geld noch Aufwand für die Annoncen investieren müssten.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 04.01.2001
gefunden von Betty Cherian

 

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