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IDENTITÄT

von MMM

Als was fühlt Ihr Euch? Eine Zwischenbilanz.

Nachdem nun die Umfrage "Als was fühlt Ihr Euch?" bereits zwei Wochen im Netz steht und sich bis dato 60 Personen beteiligt haben (leider sind Mehrfachabstimmungen nicht auszuschließen) sind folgende Tendenzen erkennbar: Über 80 % der Teilnehmer konnten sich mehr oder minder für eine Richtung entscheiden: 30 % sahen sich ganz oder eher als Deutsche und 30 % ganz oder eher als Inder. Die Restlichen zwanzig Prozent konnten sich keiner Kultur eindeutig zuordnen und gaben an entweder beides oder gar nichts zu sein.

Ein für mich zwar nicht überraschendes, aber dennoch merkwürdiges Ergebnis. Die Frage, die ich mir diesbezüglich stelle (und bereits im Forum gestellt habe) ist, wie man sich eher als Inder fühlen kann ? Die meisten von uns sind doch einer deutschen Gesellschaft aufgewachsen, haben hauptsächlich mit Deutschen - oder ausländischen, ebenfalls in Deutschland aufgewachsenen, Menschen Kontakt (denn schließlich gibt es hier keine indische Subkultur wie in Großbritannien und teilweise in den USA) und haben nie wirklich den indischen Alltag erlebt (es gibt Ausnahmen !).Wieso glauben fünfzig Prozent der Befragten , die indischen Einflüsse, denen sie ausgesetzt sind und/oder waren machen sie nun zu Indern ? Es ist sehr schwierig die Gründe dafür zu verstehen, denn es bleibt doch zu überlegen, warum die wenigen indischen Einflüsse auf diejenigen eine so unglaublich höhere Wirkung haben sollen als die ständig und auch in ihrer Quantität viel größeren deutschen Einflüsse. Ich denke, dass fast alle, die sich eher als indisch als deutsch sehen, sich entweder nicht über ihr Deutschsein im klaren sind, d.h. dass sie nicht wahrnehmen dass sie durch viele Umstände hier in Deutschland deutsch geworden sind, oder es auch nicht wollen (was ich für wahrscheinlicher halte). In der indischen Gesellschaft ist es nicht angesehen sich zu assimilieren und dann dazu auch noch zu stehen - außerdem werden hier in D'land Inder oft als "Exoten" und interessant eingestuft - ein weiteres Argument für Indischsein. Letztlich gibt es noch ein ganz einfaches Argument: das Anderssein. Jeder Mensch möchte sich von der Masse abheben, individuell anders, kurz gesagt ein Individuum sein. Als Mensch indischer Herkunft ist dieses "Anderssein" in einer deutschen Gesellschaft sehr einfach, in dem man sich ganz einfach als "Inder" betitelt.

Dem freud'schen Analytiker, der im Zuge des Diskurses über Deutsch- und Indischsein einen interessanten und in die Tiefe gehenden Beitrag schrieb möchte ich für die Anregungen danken, aber auch gleichzeitig die Nützlichkeit einer Kategorisierung und Definition bzw. in unserem Fall Einordnung in ein - von der Gesellschaft vorgegebenes - Muster aufzeigen. Recht hat er, wenn er hinterfragt "Was nützt mir die Definierung wieviel von mir Inder und wie viel Deutsch ist?" und diese sofort mit "Nichts" beantwortet. Solange man sich nicht in einer Gesellschaft befindet, in der nun einmal Abstraktionen, Generalisierungen und Einordnungen (vor allem in der Sprache) das Zusammenleben und besonders die Kommunikation erst ermöglicht, bringt es mir gar nichts mich selbst zu positionieren. Da wir jedoch auf ein Miteinander und Verständigung angewiesen sind, ist eine Definition des "wer bin ich" bzw. "woher komme ich" sehr hilfreich um mich in der Welt zurechtzufinden und manchmal auch mich meinen Mitmenschen besser erklären zu können. Auch wenn ich keine eindeutige Einordnung vornehmen kann, so habe ich mich zumindest mit dem Thema und den Argumenten kritisch auseinander gesetzt und Selbstreflektion hat bis jetzt noch niemandem wirklich geschadet.

Es wäre schön, wenn der oder die eine "Inder/in" seine/ihre Erklärungen oder Beweggründe darstellt oder versucht zu erklären. Vielleicht verstehe ich euch danach ja besser und ändere meine Meinung diesbezüglich. 

Es wartet...
MMM

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