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BLICKPUNKT

von Ruby Sircar

Indische Exotik in Zürich - Eine Ausstellung 
Das indische Kino und die Schweiz (25. Mai bis 8. September 2002)

Dieser Sommer bietet einiges an Ausstellungen zum Thema Indien, Hindikino, Diaspora, Asian Identity und Hybridität. 

Angefangen hat es mit der Ausstellung "Kapital und Karma. Aktuelle Positionen indischer Kunst" (29.03.-09.06.2002) in der Kunsthalle Wien (A) (www.kunsthallewien.at). Es ist schon bemerkenswert, dass indische Kunst, zumindest der Teil des Kunstmarkts, der im Westen als Populärexotik vermarktbar ist, nun in grossen Museen, Galerien und Ausstellungsräumen salonfähig gemacht wird. Leider findet, wie auch in "Kapital und Karma", trotz der begleitenden Seminare, Vorträge oder Einführungen kein wirklich neuer, notwendiger Diskurs statt. Die Themen werden leicht verdaulich präsentiert, der Blickwinkel ist ein eurozentrischer, auf eine zeitgenössische asiatische Kultur im präsentablen goldenen Käfig. Oft sind die KuratorInnen zwar interessierte Indienreisende (ihrem Blickwinkel, dem eines Fremden - denn Fremde, gegenüber der von ihnen dokumentierten Kultur sind sie ja - ist nichts entgegenzusetzen, nein, wir erheben keinen Originalitätsanspruch - wozu auch?), aber es gilt zu ergründen, warum der westliche Kunstmarkt plötzlich beginnt sich auf breiter Ebene für die indischen/asiatischen Kulturproduktionen zu interessieren!?!

Dieses Interesse, ja, das ist allgemeinhin bekannt, existiert schon seit einer ganzen Weile, aber warum ist es dem Mainstreamkulturmarkt bisher immer noch nicht gelungen dies auf eine professionelle Weise auszudrücken - nicht nur den dilettantischen Hobbyfusionismus der 60er und 70er Jahre zu wiederholen und weiterhin im Exotismus der 20er Jahre (hatten wir das nicht schon bei Thomas Mann?) zu schwelgen? Wahrscheinlich weil es eben nur lauer Mainstream ist und allgemein verdauliche, präsentable Kunstproduktionen ausgestellt werden können...

Sehen wir uns nun also in der Ausstellung "Das indische Kino und die Schweiz", zur Zeit in Zürich im Museum für Gestaltung (www.museum-gestaltung.ch) um. Wir fragen uns (Vorraussetzung: a) wir interessieren uns für Hindikino und b) wir verfolgen Ausstellungen zum Thema Hindikino): Haben wir diese Ausstellung schon irgendwo gesehen? Antwort: Ja. Wir erinnern uns an die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst (Wien) im Jahr 2000... Bollywood war damals gross angesagt und unglaublich sexy... ja, wir sehen noch immer die Plakate, mit dem Prädikat: "Original von Plakatmalern aus Bombay", vor unserem Inneren Auge...aber professioneller oder konkreter in ihren Aussagen zum Thema Hindikino oder Bollywood ist eine Ausstellung zwei Jahre später immer noch nicht geworden.

Die Züricher präsentieren sich zeitgenössisch, sie bieten nicht nur eine Ausstellung an, sondern auch erklärende Führungen und Vorträge, immerhin muss das westliche Publikum ja in dieses populärexotische Thema eingeführt werden. Ohja - die Ausstellung ist interessant, viele bunte Bilder und Fotografien, also ein Spass für die ganze Konsumentenfamilie, der leichte Spass für den Sommerurlaub (auch zu besichtigen als Click-Tru auf ihrer Website). Vielleicht standen sie bei der Aufgabe das Thema Hindikino zu besprechen genauso vor dem Berg (leider ihrem eigenen) wie so manche/r InderIn die aufgrund der filmischen Schweizerbeschaulichkeit im Bombay Kino in die Schweiz reiste...

Zu sehen ist dies auch bei den Vorträgen - auch als Liste auf der Website einzusehen - die Auswahl der vorgestellten Themen sagt so manches: Ja, es sind Vortragende die alle aus der Akademia kommen (sind sie deshalb professioneller?), aber scheinbar hinkt, leider wie so oft, der deutschsprachige Diskurs dem englischen um mindestens zehn Jahre hinterher - lasst es mich genauer sagen: Hat irgend eine/r der Vortragenden, dem Projektteam, Forschungsteam (wo ist die Recherche?) oder anderen MitarbeiterInnen vom Unterschied zwischen Bollywood und Hindikino gehört? Scheinbar nicht, sonst würden Arbeiten von Mira Nair nicht mit Lagaan etc. diskutiert werden.

Wenn man schon versucht professionell, postkolonial und nicht ein/e eurozentrische/r IgnorantIn zu sein, so sollte man sich wenigstens mit Präzision dem untersuchten Thema annähern.

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