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BUCHMESSE 2006

von Anant Kumar

 
Der Cashewbaum

(2006 - New Chandmari, Motihari)

Anlässlich der im Oktober bevorstehenden Frankfurter Buchmesse, die ganz im Zeichen Indiens steht, hat der in Deutschland lebende indische Autor Anant Kumar als Gast der indischen Germanistik einige Texte verfasst, die wir an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen veröffentlichen werden.

Ich war ein kleiner Junge, als der Cashewbaum im Innenhof des Hauses gepflanzt wurde. Papa erzählte mir, er werde eines Tages sehr groß werden, und seine Erträge würden uns beeindruckend erfreuen. Ich glaubte ihm nicht, weil auch der Cashewbaum in meiner Gegend eine Rarität war. 

Als großer Junge begegnete ich ihm nach Jahren wieder. Der Baum war schnurgerade hoch gewachsen und strotzte vor Kraft und Schönheit.

Der Sohn meiner Tante aus der Nachbarschaft sprach:

"Eigentlich ist er kein gewöhnlicher Cashewbaum. Es wachsen darauf wilde Cashews, die sich von den uns Bekannten unterscheiden."

"Wie?"

"Sie sehen etwas dunkler, schwärzer aus, und sie schmecken ölig."

"Aha!"

"Wenn der Baum blüht,…" fuhr Pankaj, mein Tantensohn, fort, "…, gibt es einen Farbentanz der Blätter. Sie werden rot - rotgelb - rotgelbgrün. Und vor allem, schaut ihn an, wie er steht: symmetrisch, majestätisch."

Und die Tatsache ist, dass der Baum in seiner vollen Blüte gefällt wird. Er ist allzu groß. Für mein Haus. Für die dicht bebauten Nachbarhäuser. Was passiert, wenn ... der Riese zusammenbricht oder wenn ... ein Sturm ihn niederfällt und dabei die Ziegelsteinhäuser zertrümmert?

Also, wir fällen ihn und verkaufen ihn demnächst.

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