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Auf
den modernen indischen Rädern - Drei Fragmente -
Teil 1
Die
neuesten literarischen Ergüsse, des in Kassel lebenden
indischen Schriftstellers Anant Kumar stellen wir Euch in
den nächsten Wochen vor.
| Teil
1: |
Auf
den modernen indischen Rädern - Teil 1 |
| Teil
2: |
Auf
den modernen indischen Rädern - Teil 2 |
| Teil
3: |
Auf
den modernen indischen Rädern - Teil 3 |
| Teil
4: |
Die
Kasten im Umbruch |
1. Devendra
Giri: Der Bahnpolizist im Autorikschafahrer
Krachend hält der Rikscha
vor dem Max-Mueller-Bhawan (Goethe Institut), Delhi, an:
>Ich möchte zum Neu
Delhier Bahnhof. Wie viel würde es kosten?<
>Vierzig Rupien, Sir!<
>Zwanzig Rupien?<
>Sir, der Bahnhof ist doch
weit von hier. Ich verlange von Ihnen nicht viel Geld.<
>Zwanzig Rupien?<
>Sir, sogar würde die
Mindestgebühr samt Ihren drei Gepäckstücken
dreißig Rupien betragen.<
>Gut, ich gebe 25. Lass
uns fahren!<
Devendra Giri, mein Fahrer,
ist ein Brahmane gehobener Klasse, und er hat:
>Sir, ich habe einen Hochschulabschluss!
Sir, Sie würden es mir nicht glauben!<
>Doch! Doch! Ich glaube
es Dir.<
Devendra Giri hat einen Hochschulabschluss
in Wirtschaftswissenschaften. Er wollte für ein sicheres
Gehalt einen Job bei der indischen Bahnpolizei. Mit Erfolg
bestand er den Gesundheitstest. Dann kamen die Bestechungsgelder
ins Spiel. Jeder Kandidat musste 50, 000 bis 70, 000 Rupien
(1200 - 5000 US $) zahlen. Die Rekrutierung wurde jedoch
in den darauffolgenden Monaten annulliert, nicht weil die
Bestechungsaffäre aufgedeckt wurde. Die Bosse stritten
sich pausen- und ergebnislos wegen des Kuchenanteils. Alle
1117 Kandidaten wurden entlassen, und inzwischen waren die
Gelder gewaschen.
>So bin ich nach Neu Delhi
gekommen. Wir klagten beim Gericht an, und der Prozess ging
bis zum Obersten Gerichtshof. Wegen des Betruges haben wir
den Fall in der letzten Instanz doch verloren.<
Im Gewühl der Menschen,
Tierarten und Fahrzeuge drängelt der Rikscha in kürzeren
Sprüngen durch. Devendra erzählt:
>Ich wollte bei meiner Familie
nicht mehr als Bürde bleiben. So fahre ich jetzt Autorikscha.<
>Schickst Du Geld auch nach
Hause?<
>Nein Sir, es bleibt kaum
was übrig! Meine Frau wohnt auch hier in Delhi bei
mir.<
>Aha! Und hast Du auch Kinder?<
>Noch nicht, Sir! Das erste
Kind ist unterwegs.<
>Aha! Sehr schön! Und
möchtest Du einen Sohn oder eine Tochter?<
>Egal Sir! Auf jeden Fall
wird es bei einem bleiben!<
>Sehr gut! Du bist ein sehr
progressiver Mensch.<
>Sir, der Lebensunterhalt
in Delhi ist so teuer, dass man sich selbst kaum ernähren
kann.<
>Hm!<
>Ja Sir! Meine Frau hat
auch studiert.<
>Schön! Geht sie auch
arbeiten?<
>Nein, nein, Sir! So was
ist unmöglich bei uns!<
>Ja?<
>Ja, Sir! Wir gehören
zu Brahmanen höherer Klassen: Dwedis, Triwedis, ...<
>Ja?<
>Und es können vor
dem Hause Millionen liegen. Aber die Frau wird nicht aus
der Haustür treten.<
TEIL 2 folgt
bald
Anant Kumar:
(Der in Kassel lebende indische Schriftsteller Anant
Kumar reiste im Januar 2004 in Nord- und Westindien.)
Homepage: anant-kumar.de.vu
Kontakt: anant_kumar@gmx.de
Neuerscheinung: Die uferlosen
Geschichten, - Erzählungen - , Schweinfurt 2003
http://www.uni-kassel.de/~kumar/ProspektKumarUferlosVorderseite.pdf
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