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TEIL 3

von Anant Kumar

Auf den modernen indischen Rädern - Drei Fragmente - Teil 3

Die neuesten literarischen Ergüsse, des in Kassel lebenden indischen Schriftstellers Anant Kumar stellen wir Euch in den nächsten Wochen vor. 


 
Teil 1: Auf den modernen indischen Rädern - Teil 1
Teil 2: Auf den modernen indischen Rädern - Teil 2
Teil 3: Auf den modernen indischen Rädern - Teil 3
Teil 4: Die Kasten im Umbruch

3. Transzendenz in einem verspäteten Zug

Im Gegensatz zu den endlosen Disputationen legen die Inder bei ihren Gesprächen Wert auf Harmonie. Die Widersprüche vermeiden sie nicht, sondern die Konfrontationen. Nehmen wir mal an, zwei Reisende unterhalten sich über das Göttliche und das Irdische in einem indischen Zug, der schon eine siebenstündige Verspätung hat.

Einer ist ein wohlhabender Großhändler, der eine staatliche Einrichtung wegen des Millionenbetruges angeklagt hat. Er befindet sich auf der Rückfahrt nach der letzten Vernehmung im Obersten Gerichtshof in Neu Delhi. Der Bankier ist unterwegs, um die Jahresbilanz einer Bankfiliale im Westen Indiens zu prüfen.

>Glauben Sie an Atman?< fragt den Bankier der Großhändler.

>Ich glaube daran... Ich glaube an das Göttliche... Gerade in diesem Alter um 50 besinne ich mich mehr darauf.< antwortet der Bankier.

>Basierend auf Atman, gibt es im Hinduismus viele Glaubensrichtungen.< ... der Großhändler. 

>Bis zum 25. Lebensjahr weiß einer kaum über sich selbst... Und in den nächsten 25 Jahren kümmert er sich bloß um seine eigenen Angelegenheiten (Frau, Kinder, Haus, ...). Bis zum 50. Lebensjahr sollte er jedoch zur Besinnung gekommen sein... Sonst ist es allzu sehr spät.< ... der Bankier.

>So wie mit dem Zuckerrohr. Zuckerrohr ohne Saft ist völlig nutzlos. Das gilt genauso für den menschlichen Körper.< ... der Händler. 

>Ab 50 soll man sich auf jeden Fall mit dem Atman, dem Göttlichen, ... beschäftigen. Sonst wird es allzu sehr spät.< ... der Bankier.

>Wenn man aus dem Zuckerrohr seinen Saft herausgequetscht hat, ist er völlig nutzlos. Der menschliche Körper hat mehr Säfte in seinen Jugendjahren und somit auch mehr den Gebrauchswert... Mit dem Alter verliert er seine Säfte und damit seinen Wert... Und an einem saftlosen Körper würde sogar der höchste Gott kein Interesse haben!< schließt rhetorisch seinen Exkurs der gebildete Händler ab.

>So ist es! Dann wird es allzu sehr spät.< ... der Bankier.

TEIL 3 folgt bald
 


Anant Kumar: (Der in Kassel lebende indische Schriftsteller Anant Kumar reiste im Januar 2004 in Nord- und Westindien.)
Homepage: anant-kumar.de.vu
Kontakt: anant_kumar@gmx.de

Neuerscheinung: Die uferlosen Geschichten, - Erzählungen - , Schweinfurt 2003
http://www.uni-kassel.de/~kumar/ProspektKumarUferlosVorderseite.pdf

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