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Der
Buddhismus
Der Buddhismus
ist eine Religion ohne Gott. Es gibt keinen Schöpfer der
Menschheit im eigentlichen Sinn, zu dem man beten und um Hilfe
bitten kann. Der Buddhismus kennt nur einen Lehrer, einen
Buddha, der es aus eigener Kraft heraus schaffte, das Wissen
über das Leben, den Kosmos, die Vergangenheit sowie der
Zukunft zu erlangen und der dem Kreislauf der Wiedergeburten
entkam. Der Buddha ist daher kein Heiland, sondern lediglich
ein Wegweiser für diejenigen, die auf der Suche nach der
Wahrheit sind. Im Dhammapada 276 sagt er deshalb: "Ihr
selbst müsst euch anstrengen, die Vollendeten verkünden
nur."
Der Kern des
Buddhismus besteht darin, Erkenntnis bzw. Einsicht in die
Natur der Wirklichkeit zu erlangen. Sich frei zu machen von
der materiellen und geistigen Anhaftung am irdischen Leben und
das eigene Bewußtsein bzw. Seele von Verblendungen und
Leidenschaften zu reinigen, bis man die Erleuchtung erlangt
und in das Nirvana eingeht.
Das Leiden
beginnt mit der Fehlwahrnehmung der Menschen, indem sie sich
selbst, also das "Ich" in den Mittelpunkt stellen.
Um das "Ich" zu stabilisieren, nehmen sie keine Rücksicht
auf andere und Gier entsteht. Aus der Gier wiederum entsteht
der Hass. Somit ist das Leben zum Leid verurteilt.
Doch auch wer
zum Beispiel durch Meditation versucht, sich dieser Kette der
Ursachen zu entziehen, indem er eine andere Wahrnehmung
erreicht und sich von sich selbst löst, kann nicht unbedingt
die Erleuchtung erfahren. Denn der Buddhismus besagt, dass
selbst wenn man die Notwendigkeit der Selbstlosigkeit (anatman)
erkannt hat und selbstlos handelt, man trotzdem immer noch
eine Absicht verfolgt. Nämlich die der Tugendhaftigkeit oder
der Erleuchtung. Man muss also um wirklich die wahre
Erkenntnis zu erreichen, das Verständnis vom "Ich"
ablegen und Absichten überwinden.
Diese
Kernaussage haben alle buddhistischen Strömungen im Grunde
gemeinsam. Doch hat sich im Laufe der Jahrhunderte die ursprüngliche
Lehre des Buddha in viele verschiedene Strömungen aufgelöst
und weiterentwickelt.
Der historische Buddha
Buddha
(Sanskrit: der Erwachte, Erleuchtete) wurde wahrscheinlich um
560 v.Chr.in Kapilavastu im Himalaya (heutiges Nepal) als Sohn
des Königs Shuddhodana und seiner Frau Maya geboren.
Seine Eltern gaben ihm den Namen Siddhârta ("der sein
Ziel erreicht hat"), gewöhnlich wird er aber auch
"Gautama", "Shakyamuni" ("Weiser der
Shâkyas") oder Bhagavat ("der Erhabene")
genannt.
Der Legende
nach wurde seinem Vater, dem König Shuddhodana
geweissagt, sein Sohn würde entweder ein Welteroberer oder
ein Welterleuchter werden. Daher konzentrierte sich
Shuddhodana darauf, Siddhârta zu einem Krieger auszubilden
und ließ ihn das Schloss nur selten verlassen. Der junge
Prinz wuchs im Luxus auf und wurde von jeglicher Berührung
mit dem Leid des Daseins ferngehalten.
Doch auf vier aufeinanderfolgenden Fahrten außerhalb
des Palastes, die Siddhârta unternahm, erschienen ihm
Gottheiten in Gestalt eines Greises, eines Kranken, eines
Toten und eines Asketen. Durch diese Bilder erschüttert,
erkannte er, dass alles vergänglich ist und er wollte
herausfinden was die Ursache des menschlichen Leidens
ist. Als er ins Schloss zurückkehrte, erfuhr er, dass
ihm seine Frau Yashodharâ Gopâ einen Sohn geboren
hatte. Doch selbst diese Nachricht konnte ihn nicht von seinem
heimlichen Vorhaben abbringen, das Königreich seines Vaters
zu verlassen und den Grund allen Übels herauszufinden.
Sechs Jahre
nachdem er seine Familie heimlich verlassen hatte, erlangte er
schließlich mit 35 Jahren unter einem Bodhibaum (Feigenbaum)
die Erleuchtung.
Er erhielt das "göttliche Auge", das ihm Gewissheit
über seine früheren Leben verschaffte und durch das er alle
Reinkarnationen verfolgen konnte.
Er kam zur Einsicht über die ,,Vier edlen Wahrheiten"
der Entstehung und Aufhebung allen Leidens und erkannte den ,,Achtfachen
Pfad", welcher die Regeln enthält, die zur Aufhebung
des Leidens führen und den Eingang ins Nirvana ermöglichen.
Daraufhin ging
er nach Sarnath ( Benares) und setzte dort das Rad der Lehre
in Bewegung. Seine erste Predigt hielt er dort im
Gazellenhain. Über 40 Jahre lang zog er durch Nordindien und
verbreitete seine Lehre, bis er schließlich mit 80
Jahren starb.
Die 84.000 Belehrungen Buddhas wurden mündlich tradiert und
sind erst von seinen Nachfolgern in einen schriftlichen Kanon
gebracht worden
Die Lehre des Buddha
Die Lehre des
Buddha wird Buddha-Dharma genannt. Jede Handlung, aber auch
jede Absicht erzeugt Karma. Als Karma werden die Folgen von
Handlungen unterschiedlicher Art bezeichnet. Durch den so
genannten Achtfachen Pfad kann das Leiden überwunden werden.
Das Karma bestimmt, wo und unter welchen Umständen jemand zur
Welt kommt. Man unterscheidet sechs Bereiche: den Bereich der
Menschen, der Tiere, der hungrigen Geister, der acht Höllen
(vier warme und vier kalte), den Bereich der Dämonen (asura)
und den Bereich der Götter. Jeder ist für seine Taten und für
sein Leben selbst verantwortlich. Alles was ein Mensch redet,
handelt oder unterlässt fällt auf ihn selbst zurück.
Verbindendes Glied zwischen jetzigem und früherem Leben ist
eine Kette von Ursachen und Wirkungen (Karma). Handlungen, die
von Unwissenheit (Wahn), Begierde (Gier) und Aggression (Hass)
geleitet sind, bilden negative Muster im eigenen Geist. Dies führt
zur Wiedergeburt in niederen Daseinsbereichen. Positive
Handlungen haben dagegen positive Wirkungen. Man gelangt zu höheren
Daseinsformen. Das "Erwachen" schließlich befreit
vom "Rad der Wiedergeburten."
Die vier
edlen Wahrheiten bilden den Hauptkern des Buddhismus:
Es ist für ein Lebewesen nicht möglich, während seines
irdischen Daseins wahres Glück und Frieden zu erfahren. Denn
sie werden ständig durch Erfahrungen des Leidens getrübt.
Nur vorübergehendes Glück ist möglich. Um aber die
vollkommene Glückseligkeit zu erfahren, muss der Mensch frei
von jeder Form des Leidens werden. Wenn man sich in einem
Zustand befindet, in dem alles Leiden und auch seine Ursachen
völlig zur Ruhe gebracht sind, befindet man sich daher im
Nirvana, dem Zustand des endgültigen Friedens.
Um diese
Notwendigkeit des Nirvanas zu verstehen, muss man erst einmal
die vier edlen Wahrheiten erkennen, nämlich:
1. dass das Leben Leiden ist und alles Dasein von Leid erfüllt
ist.
2. dass die Wurzel dieses Leidens das Begehren bzw. der Durst
nach Objekten und Sinneswahrnehmung / Sinnesfreuden ist
3. dass das Leiden beendet werden muss und kann
4. dass der Weg zur Beendigung des Leidens, der achtfache
Pfand ist.
Der achtfache Pfand beschreibt das rechte
Handeln, das immer ausgeglichen zwischen zwei Extremen sein
sollte.
Die wichtigsten buddhistischen Strömungen
Hinayana (Kleines
Fahrzeug) / Theravada
Ursprünglichste Form des Buddhismus. Buddha ist der oberste
Lehrer, dessen Weg von jedem Schüler gegangen werden soll.
Das Ideal des Hinayana ist die Arhatschaft, der weltabgewandte
Heilige, der durch Meditation seinen Durst nach Leben
reduziert, seine Weisheit vollendet und seine falschen
Vorstellungen berichtigt hat. Buddhistische Mönche und Nonnen
leben nach diesem Prinzip des Hinayana.
Mahayana (Großes Fahrzeug)
Zweite große Hauptrichtung des Buddhismus; begründet im 2.
Jahrhundert v.Chr. Dieser Buddhismus ist eine Erweiterung der
älteren Form der Lehre, denn der Kanon des Hînayâna wird
durch weitere heilige Schriften ergänzt. Das große
Fahrzeug ist vor allem in Zentralasien, China, Korea und Japan
weit verbreitet. Es hat zahllose Gottheiten aus den
vorbuddhistischen Religionen dieser Gebiete integriert.
Hauptmerkmal dieser Buddhismus-Richtung sind erleuchtete
Wesen, sogenannte Bodhisattvas ( "Energie, die nach dem
Erwachen strebt"), die den Menschen zur Erleuchtung führen
können. Somit kann jeder Einzelne ein Bodhisattva werden.
Varayana ( Diamanten-Fahrzeug /
Lamaismus)
Auch die Vajrayana-Schulen führen ihre Belehrungen direkt auf
Buddha selbst zurück. Hier wird gelehrt, dass Buddha drei
verschiedenen Arten von Menschen Belehrungen gegeben habe: Wer
Leid vermeiden wollte, bekam Auskünfte zu Ursache und Wirkung
(Theravada). Wer mehr für andere tun wollte, hörte
Belehrungen, um Mitgefühl und Weisheit zu entwickeln (Mahayana).
Wenn die Leute fähig waren, Buddha als Vorbild für ihr
eigenes Streben zu sehen, lehrte er den Vajrayana Weg. Im
Varayana wird gelehrt, Hindernisse in Chancen zu verwandeln.
Etwa einen Feind als Freund zu sehen. In dieser buddhistischen
Richtung werden die Gläubigen durch einen spirituellen Lehrer
geführt, weshalb das Diamantenfahrzeug auch als Lamaismus
bezeichnet wird. Der Vajrayana wurde in Indien durch die
Mahasiddhas weitergegeben und entfaltete sich später nur noch
in Tibet und der Mongolei.
Zen-Buddhismus (Ch'an-Buddhismus)
Um 520 n.Chr.
gründete der Inder Bodhidharma in China die Schule des Ch`an-
Buddhismus, die heute vor allem in Japan, Europa und Amerika
ihre Anhänger findet. Der Zen-Buddhismus wurde insbesondere
von japanischen Samurai- Kämpfern praktiziert. Ziel ist
es ein spontanes Erleuchtungsergebnis (japanisch: satori) zu
erfahren, durch dass man die Meisterschaft über sich selbst
erlangt und Harmonie mit dem Weltgrund erreicht.
Um diese Erleuchtung zu erlangen, versuchen sich die Zen-
Buddhisten von jeglichem logischen Denken zu befreien und
suchen in der Meditation die höchste Wahrheit. Das Nachsinnen
über eine paradoxe Frage oder einen scheinbar sinnlosen
Spruch (japanisch: Koan) soll vermeiden, dass sich während
der Meditation rationale Gedankengänge einschleichen die
einen vom Weg zur Erleuchtung abbringen. Die innere
Vorstellungskraft soll somit zur Erschöpfung gebracht werden,
damit der Meditierende offen für die Wahrheit ist.
Aus der Tradition des Zen-Buddhismus heraus, haben sich auch
die typisch japanischen Gärten entwickelt, die mit ihrer
Schlichtheit und ihren geometrischen Anordnungen den Geist
beruhigen sollen.
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